Einige Wochen lebte sie schon hier in der Provence. Vermutlich lebte sich schon länger dort, erinnerte sich jedoch nicht daran.
Blendia gefiel das Leben auf dem Anwesen sehr gut, auch wenn ihr ständige Kopfschmerzen, sowie die Gedanken an ihre imaginäre Vergangenheit das Leben schwer machten.
Sie konnte nicht sagen wer sie war und woher sie kam, daher hatte sie sich entschlossen das Spiel zu spielen, dass irgendjemand für sie gelegt hatte.
Eine Gräfin hatte viele Aufgaben. Doch im Laufe der Zeit merkte sie, dass sie vieles beherrschte wovon sie eigentlich nichts gewusst hatte. Zum einen sprach sie mehrere Sprachen. Das Schreiben war ihr nicht fremd. Legte sie die Feder an, so war es, als tanze sie, zusammen mit ihren Fingern über das Pergament. Das Leben am Hofe schien ihr ebenfalls nicht fremd zu sein. Es musste ihr niemand erklären, wie man sich benahm. Und trotzdem schien ihr harte Arbeit nichts auszumachen, im Gegenteil, sie bereitete ihr sogar Freude.
Blendia vernahm schnell, dass sie ein unbewusstes großes Wissen der Heilkunde besaß. Als sie zufällig durch den Kräutergarten ging, erkannte sie sofort die Pflanzen, die ihre Kopfschmerzen lindern würden. Auch die Zubereitung der Tees waren ihr nicht unbekannt.
Anfangs hatte sie sich Gedanken darüber gemacht, wieso und weshalb sie solche Sachen wusste, doch irgendwann merkte sie, dass es einiges an Kraft kostete, wenn sie jeden Stein umdrehte und sowieso nichts fand.
Am 16. September im Jahre 1024 heiratete sie den ihr bisher unbekannten französischen Grafen Wolfram von Eschenau.
Es war merkwürdig ein Leben zu leben dass, wie sie glaubte, nicht ihres war. Es fühlte sich falsch an, die Frau von diesem Mann zu sein. Wolfram war kein schlechter Mann gewesen, im Gegenteil: Er machte ihr den Hof, trug ihr unendlich schöne Gedichte vor und benahm sich vorbildlich.
Doch sie liebte ihn nicht.
Neun Monate später brachte Blendia einen Sohn zur Welt. Lukas.
Doch auch das Kind brachte sie nicht näher zu ihrem angetrauten Mann, im Gegenteil. Lukas entwickelte sich nicht so, wie man es von einem Kind erwartete. Er sprach nicht. Nicht eine Silbe brachten seine Lippen hervor.Er weinte auch nicht. So entschied Wolfram von Eschenau den Jungen der Kirche zu übergeben, da er fest davon überzeugt war, dass Satan seine Finger im Spiel hatte.
An jenem Tag, an dem die Kutsche den Hof in Richtung in ein, ihr unbekanntes Kloster, verließ, entschied sich Blendia von Greifenstein, das ihr vorgegebenes Leben selbst in die Hände zu nehmen.
Mit nicht mehr, als sie am Leibe trug, verließ sie das Anwesen und begann ein neues Leben.
